Europacup 2005, IJsselmeer, Hoorn, Niederlande

Nachwuchs-Segler Philipp Buhl erzielt hervorragendes Ergebnis auf europäischer Ebene.

Mit einem 7. Rang unter den 47 männlichen Konkurrenten aus 14 Nationen hat Philipp Buhl als bester deutscher Seglern beim Laser Europacup auf dem IJsselmeer in den Niederlanden beachtlich gut abgeschnitten. Unter den deutschen Seglern befand sich auch der zur Zeit Führende der nationalen Rangliste. In der Gesamtwertung zusammen mit den 24 gestarteten Frauen, vorwiegend Seglerinnen aus den Nationalkadern und der Profi-Szene, belegte der SCAI-Segler Rang 15. Zu seinen Leistungs-Höhepunkten zählt insbesondere eine Wettfahrt, in welcher er das leistungsstarke Teilnehmerfeld bis in die letzte Kursrunde anführte, am Ende Rang 3 von allen 71 Booten belegte und dabei alle männlichen Konkurrenten einschließlich der zweifachen deutschen Olympiateilnehmerin Petra Niemann besiegte. In der Altersgruppe U17 belegte Philipp den 3. Podestplatz. In der 6. Wettfahrt startete er wegen eines Rückruf-Irrtums mit ca. 300 m Rückstand und erkämpfte sich noch die fast unglaubliche 18. Position von allen Startern.
Abgesehen von 2 Wettfahrten mit nur mittleren Windstärken verliefen alle weiteren der insgesamt 8 Wettbewerbe bei Winden der Stärke 4 bis 6 Bft. Damit waren die Segler mit einer schwierig zu segelnden Welle und nicht zuletzt wegen der sehr großen Kursdistanzen mit hohen sportlichen Anforderungen konfrontiert.
(Hoorn (NED), 19.05. / 22.05.2005 (Text: fb))
Der Europacup in Holland bedeutet für die Segler hohes Anspruchsniveau. Einerseits wegen des meist guten und kräftigen Windes auf dem IJsselmeer. Andererseits im Hinblick auf die hochrangige Konkurrenz. Im Laser Standard z. B. war der brasilianische Weltklassesegler Robert Scheidt, 7-facher Weltmeister und 2-facher Goldmedaillen-Gewinner im Laser gemeldet. Auch der Slowene Vasilij Zbogar, der sich in Athen Bronze holte, war neben zahlreichen weiteren Größen vertreten. Vor allem für die Jungs im Radial war es etwas ganz Besonderes, Champions dieser obersten Kategorie an Land und auf der Regattabahn hautnah erleben zu können und ihnen vielleicht die eine und andere Technik abschauen zu können.

Die Segler in der Radial-Klasse hatten erstmals in diesem Jahr Konkurrenz in besonderer Weise dazu bekommen: Profi-Frauen aus der Europe-Klasse. Schließlich ist seit diesem Jahr der Laser mit Radialrigg erstmals olympisches Frauen-Boot statt der bisherigen Europe. Dass die großteils wesentlich jüngeren männlichen U17- und U19-Segler (noch nicht im 17. bzw 19. Lebensjahr) mit diesen hoch routinierten Kader-Seglerinnen nicht ohne weiteres mithalten können, war anzunehmen.

Nach einem Trainingstag mit mittlerem Wind zeigte sich das IJsselmeer am 1. Wettfahrttag von der gewohnt pfiffigeren Seite. Für Philipp Buhl begann der Jungfern-Wettkampf auf diesem Revier fast zu erfolgreich. Nach einem Topstart, den richtigen kurstaktischen Entscheidungen und einem einwandfreien Speed segelt er auf der langen Startkreuz seiner 71-köpfigen Konkurrenz davon und rundete als Erster. Diese Position war jedoch nicht zu halten. Im Ziel blieb für den SCAI-Segler der trotz Positionsverluste noch hervorragende Platz 9, unmittelbar hinter der deutschen Topseglerin Petra Niemann und somit für den Segler vom Alpsee zweitbestes Ergebnis für Deutschland.
In der 2. Wettfahrt schaffte Philipp den noch guten 14. Rang. Mit diesen Tagesergebnissen konnte er am Abend hoch zufrieden zum Veranstalterclub in die alte und sehr reizvollen Hafenstadt Hoorn zurücksegeln.

Der 2. Wettfahrttag lief für Philipp Buhl Alpsee nicht wie erhofft. Der Wind war deutlich weniger, vorwiegend etwa 2 bis 3 Bft, und dazu unruhiges welliges Wasser. Damit traten insbesondere Schwierigkeiten mit der Geschwindigkeit auf dem Vorwind auf. Zunächst mußte er einen 46. Platz einstecken. In der zweiten Tageswettfahrt gelang dann noch ein zufriedenstellender 20.

Der 3. Regattatag bot den Seglern sehr anspruchsvollen Wind von 4 bis 6 Bft sowie schwierige steile Welle und sollte für den Allgäuer Segler die High-Lights enthalten. Wie bei der 1. Wettfahrt segelte er über die lange Startkreuz in die Führungsposition. Diese konnte er über den gesamten Loop gegen die hartnäckigsten Verfolger aus dem Frauen-Lager, Sophie de Turckheim (Frankreich) und Lizzi Vickers (England) verteidigen. Seine männlichen Konkurrenten waren bis dahin fast schon beruhigend weit abgeschüttelt. Aber um die ersten 3 Plätze wurde es krimihaft spannend. Auf dem letzten Vorwindkurs mußte Philipp seine Führungsposition dann doch an die gnadenlosen Verfolger abgeben und querte die Ziellinie knapp hinter ihnen aber mit deutlichem Abstand zu den kommenden Seglern. Der Erfolg dieser Wettfahrt bedeutete für Philipp, mit internationalen Spitzenseglern voll mithalten zu können, ein souveränes bestes Ergebnis der insgesamt 18 deutschen Segler und Sieg über alle männlichen Segler, auch den späteren Sieger aus den Niederlanden.

Die 6. Wettfahrt bescherte dem Segler vom Immenstädter Segelclub kaum Glaubhaftes. Zuerst in negativer Hinsicht. Das Radialfeld ist gestartet. Nach ca. 100 m kehrt Philipp als Einziger gemütlich zur Startlinie zurück und registriert dort nach einigen beschaulichen Sekunden, dass es sich lediglich um einen Einzelrückruf (davon war er jedoch nicht betroffen) handelte. Ein irgendwie aberwitziger Fehler beim Mitzählen der akustischen Signale. Nun folgte die positive Seite. Mit äußerster Entschlossenheit und so etwas wie Wut im Bauch reißt der sich selbst Geschädigte die Großschot dicht und segelt eine beispiellose Verfolgungsjagd aus über 300 m Rückstand. Stolze 53 von 71 schnellen Booten kämpft er nach und nach hinter sich und erzählt am Ende: „Das war meine beste Wettfahrt.“ Seglerisch meint er, und noch nie habe er in dieser Weise Alles gegeben. Hauptantriebsmoment war wohl das Wiedergutmachungs-Bedürfnis gegenüber sich selbst. Über einen möglicherweise eingebüßten Spitzenplatz wollten wir nicht mehr spekulativ nachdenken.

Der 4. und letzte Wettfahrttag wartete mit schönem Wind der Stärke von 4 Bft auf, aber für den Nachwuchs-Segler aus Sonthofen lief es nicht recht nach seiner Vorstellung. Es gelang ihm einfach nicht so recht, bei den Schlägen auf der Kreuz die passende Seite und Kursausladung im Zusammenspiel mit den immer wieder wechselnden tief fliegenden Wolkenfeldern im voraus richtig einzuschätzen. Es reichte ihm nur zu den Rängen 21 und 27. Nicht schlecht, aber auch natürlich nicht gut genug für einen Gesamtplatz unter den Top Ten von allen.

Philipp Buhl konnte am Ende der EC-Regatta über seine Leistungsbilanz doch hoch zufrieden sein. Unter den 47 Buben und Männern belegt er den 7. Rang in einer hochkarätigen internationalen Besetzung und wird stolz bester Deutscher. Dies als fast jüngster Teilnehmer ( von allen 71 Bewerbern. Unter den Deutschen auch der über 2 Jahre ältere Ranglistenführende und amtierende Deutsche Jugend-Vizemeister Christian Golnik. Vielleicht war es vergleichbar einer Revanche, weil Christian im vorigen Jahr die große Alpsee-Kuhschelle der Radials dem Philipp knapp wegschnappte und für 1 Jahr nach Nordrhein Westfalen entführte.
14 Nationen waren insgesamt vertreten. In der Gesamtwertung kommt Philipp auf Rang 15 zu liegen und nimmt auch den 3. Podeststand unter den U17-Seglern in Anspruch.

In der Gesamtwertung siegte Stephen le Fevre (M / Niederlande) vor Sophie de Turckheim (F / Frankreich) und Pierre Angelo Collura (M / Finnland).
Unter die ersten 15 Ränge mischten sich 8 Frauen, vorwiegend Seglerinnen im Alter von ca. 20 bis 30 Jahren, die aus der professionellen Europe-Klasse kommen und in Nationalkadern trainieren. Es wird offenkundig, die Radials haben deftige internationale und vor allem hoch ambitionierte Konkurrenz bekommen. Der neue Olympiastatus bewirkt es. Er wird auch unsere lokalen Regatten im Radial-Bereich beleben.

Für Philipp Buhl, dem Segler aus dem Allgäu, war die Segel-Pfingst-Tournee über Kiel und Holland sehr lehrreich für die weitere Entwicklung und dürfte zu den schönen bleibenden Erinnerungen zählen.

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